Parallel- oder Pluralgesellschaft?

In verschiedenen europäischen Ländern sind soziale und wirtschaftliche Spannungen gleichzeitig in Zusammenhang mit einer oft aggressiv und emotional geführten „Ausländerdebatte“ zu bringen. Muslime werden pauschalierend benutzt, um ein Bild des „Fremden“ entstehen zu lassen, das in Zeiten der Unsicherheit Halt in einer negativen Abgrenzung bietet. Es scheint, als solle damit ein „Wir“-Gefühl erzeugt werden, das Gesellschaften, die massiv unter einem Verlust des sozialen Zusammenhangs leiden, zunehmend abhanden kommt.

telepolis
Gerade die BILD-Schmierseiten sind da recht aktiv. Schade eigentlich, dass aus „Multikulti ist gescheitert“ (und nun? 6,7 Millionen ‚Ausländer‘ abschieben?) plötzlich eine Kampagne wird. Wenn (was hoffentlich nicht geschieht, aber bei dem Klima derzeit durchaus möglich) bei der Fußball-WM ausländische Fans verprügelt werden, bin ich mal gespannt, wie die Anheizer darauf reagieren.

De-Aufklärung

In Nordrhein-Westfalen soll „Ehrfurcht vor Gott“ als Erziehungsziel in das Schulgesetz aufgenommen werden

telepolis
Wer da bei den Berichten aus den USA gelächelt hat, wird noch sehen, welche Blüten diese Bewegung, die sich auch mit Intelligent Design in die Schulen und sonstige Bereiche des Öffentlichen schiebt, tragen wird.

De-Aufklärung

In Nordrhein-Westfalen soll „Ehrfurcht vor Gott“ als Erziehungsziel in das Schulgesetz aufgenommen werden

telepolis
Wer da bei den Berichten aus den USA gelächelt hat, wird noch sehen, welche Blüten diese Bewegung, die sich auch mit Intelligent Design in die Schulen und sonstige Bereiche des Öffentlichen schiebt, tragen wird.

Reeperbahn im Focus

Überm Dach die Aufklärungsflugzeuge AWACS, vorm Haus die Bundeswehr beim Inlandseinsatz, ringsum Deutschlandfahnen in Schaufenstern und auf Balkonen, dazwischen grölende Fußballfans – dieses Szenario erwartet im Juni Millionen Menschen in den deutschen WM-Städten. Flugzeuge, Bundeswehr und die grölenden Fans werden nach der WM wieder verschwinden – die Fahnen hoffentlich auch. Anderes wird jedoch dauerhaft erhalten bleiben: In Hamburg u.a. ein eigens für die WM errichtetes Polizeigefängnis und die durchgängige Videoüberwachung der Reeperbahn, die am Donnerstag begann.

telepolis

Setzen wir noch einen drauf!

Die Schauspieler des auf der Berlinale preisgekrönten Films über Guantanamo wurden bei der Ankunft am Flughafen von der Polizei nach dem britischen Antiterrorgesetz festgehalten und verhört

telepolis
Man demonstriert, dass die geschaffenen „Anti-Terror-Gesetze“ auch offensichlich gegen „die“ eingesetzt werden. Bleibt nur zu hoffen, dass ich nicht auf die „Terrorliste“ komme, weil mir das nicht unbedingt sonderlich rechtsstaatlich vorkommt.

Beratungsresistent

Vernon Muñoz Villalobos monierte am deutschen Bildungssystem vor allem, dass es sich nicht am Potential der Kinder orientiert. Im Einzelnen kritisierte er: kostenpflichtige Kindergärten, dass Schüler schon mit zehn Jahren auf verschiedene Schultypen verteilt werden, die mangelnde Integration von Ausländerkindern und den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Negative Folgen habe auch der Föderalismus in der Bildungspolitik, da er zu Unterschieden zwischen den einzelnen Länder führte.

Und weiter unten:

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) lehnte eine zentralistische Bildungspolitik ab und plädierte für eine Weiterentwicklung der föderalen Struktur. Bund und Länder müssten sich dabei auf gemeinsame Ziele einigen. Auch die Pisa-Studie habe keineswegs gezeigt, dass Länder mit einem solchen System besser abschnitten als andere.

Spiegel Online
Großartig! Ein Hoch auf die Föderalismusreform! Ich fürchte fast, dass, sollte dieser Fehler weiter verfolgt werden, wir in Deutschland 16 Schulsystem mit der gleichen Struktur, aber anderen Inhalten und entsprechenden Anerkennungen in einzelnen Ländern bekommen werden! Ich muss gerade an die drei Affen denken…

Selbstzensur

Im „Dialog mit dem Islam“ hat sich ein bedenklicher Kulturrelativismus entwickelt. Das System der Einschüchterung von Kritikern durch Islamisten wird hingenommen

die tageszeitung
Der Artikel vom 20.05.2003 steht aufgrund aktueller Entwicklungen im neuen Kontext, möchte ich meinen.

Die Religion von der wirtschaftsfreundlichen Zensur

Die Zensur durch die Religion vom „Geistigen Eigentum“ ist unsichtbarer aber umfassender als die Zensur durch traditionelle Religionen
Das Feuilleton setzte im Karikaturenstreit den „Westen“ mit Presse- und Meinungsfreiheit gleich, die es durch den Islam bedroht sah. Dabei blieb auffällig ausgeblendet, dass es auch in dem was Huntington die westliche Zivilisation nennt eine weniger sichtbare aber weitaus umfassendere systemeigene Zensur gibt.

telepolis
Das Fazit: auch bei uns sind Gedanken nicht frei, nur begründen wir das öfter mit dem „Glauben an die Wertschöpfung“ als mit „Glauben an Gott“.

Rückkehr der Streikkultur

Die Medien spielen bei all dem eine ganz eigene Rolle. Entweder übernimmt man unkommentiert die Pressemeldungen der Arbeitgeberseite und säuselt das Publikum mit dem Lied von den 18 Minuten an, oder man berichtet zwar von den Konflikten, aber in der sattsam bekannten, ritualisierten und abgedroschenen Form: Die eine Seite sagt das, und die andere sagt das, sie sitzen beide an einem Tisch, und bald einigt man sich. Der stattfindende Kampf, bei dem es um die Lebensqualität von Millionen Menschen geht, wird nie deutlich. Immer schwebt die Kamera über den Köpfen, eine direkte Beschäftigung mit den Lebensbedingungen der Betroffenen überlässt man Nischenformaten, die spät in der Nacht für die Eulen senden.

telepolis
Auch mir fällt auf, dass die 18 Minuten-Aussage ziemlich viel Medienpräsenz hat.