Schaffung von No-Go-Areas

Ich besuchte kürzlich eine Aufklärungsveranstaltung eines Beamten des Kommissariats Vorbeugung einer nordrhein-westfälischen Kreispolizeibehörde. Der Oberkommissar sagte, selbst in einer Region, in der eine neonazistische „Kameradschaft“ seit Jahren Jugendliche rekrutiert, sei es ratsamer, die Szene zu beobachten. Sie gehe dann nicht in den Untergrund, überdies würden solche Gruppen durch die mit zunehmendem Alter wieder ausscheidenden Neonazis „kontrolliert abbrennen“. Was denken Sie, wenn Sie so etwas hören?

Gabriel Landgraf: So unterstützt man meiner Meinung nach die Schaffung von No-Go-Areas („National befreite Zonen“, in denen etwa Andersdenkende, Ausländer und Juden Angst vor Übergriffen haben bzw. diese Gebiete deswegen verlassen oder meiden; mik). Solche Argumente sind beschämend für eine Polizei. Genauso eklig finde ich es, dass ein Teil der rechten Szene aus Verfassungsschützern besteht, die erst bestimmte Strukturen aufbauen.

Aus einem telepolis-Interview mit Gabriel Landgraf, Aussteiger aus der rechten Szene Berlins. Wenn man mit etwas unterstellung zwischen den Zeilen liest, möge man meinen, dass der BVS sich erst die Feinde aufbaut, die er dann bekämpfen soll.

BUMM BUMM BILD

Wer verstehen will, warum die „Bild“-Zeitung seit Monaten eine Kampagne gegen Bundestrainer Jürgen Klinsmann fährt, muss bis in das Jahr 1984 zurück. Am 26. Juni trat Jupp Derwall nach einer verkorksten Europameisterschaft in Frankreich als erster Cheftrainer der DFB-Geschichte zurück. Franz Beckenbauer war als „Bild“-Kolumnist dabei und haute Derwall in die Pfanne. Beckenbauers Kolumnen schrieb Walter M. Straten. Heute ist der Autor Straten immer vorne dran, wenn es gilt, Klinsmann eins auszuwischen.

rund-magazin.de

Gute Nacht

Wenn man nicht heutzutage gleich abgemahnt würde, wenn man mal einen Songtext veröffentlich, würde ich das ja an dieser Stelle tun, aber die Zeiten der Rechteindustrie (als wenn die was herstellen… der Verein handelt auch nur) verbieten das.

Ich fühle mich ziemlich Urlaubsreif, glücklicherweise ist es in nicht einmal zwei Wochen so weit, dass ich mal einen Gang zurückschalten kann. Mich überfällt beizeiten die Langeweile, und so richtig was Spannendes (was nicht anderweitig auf mein Gemüt schlägt) will sich derzeit nicht ereignen. Aber wie heißt es so schön? Augen zu und durch.

Vielleicht sollte ich mich mal wieder mehr auf die Suche nach Kuriositäten begeben, die ich per Handycam einfangen kann oder auch mal wieder ein wenig was längeres schreiben.

Lass‘ dir deine Meindung bilden!

Dass der das einfach so offen sagt. Ich gucke wie Klein Fritzchen. Also kann jeder kommen, der in Deutschland etwas bewirken will, und sagen: Mach, dass das morgen viele denken und tüchtig drüber schreiben? Dittko wirkt amüsiert über so viel Naivität. Er redet von journalistischem Handwerk. Und dass man die Botschaft geschickt an aktuelle Ereignisse kleben muss, um sie verkaufen zu können. „Florida-Rolf“, der Sozialschmarotzer in Bild, sagt er, „hat die öffentliche Wahrnehmung gedreht.“ Und verweist kühl darauf, „dass die rot-grüne Bundesregierung im Jahre 2003 eine Fast-180-Grad-Wende der eigenen Politik gemacht hat, mit der Agenda 2010“.

Profis wie Dittko reden von „Issue Management“, Eventisierung, Emotionalisierung. Ihnen geht es ums Verdichten, Drehen und Zuspitzen. Pieks, pieks, rein in die Volksseele. Man tut das nicht verschämt. Einer wie Dittko ist da ganz professionell bei der Sache. Er fragt sich jeden Morgen: „Was sind die Themen, mit denen ich die Botschaften des Kunden am besten in der Öffentlichkeit transportieren kann?“ Und geht an die Arbeit. Er sucht sich gute Absender – bekannte Leute, die das Anliegen gut vertreten. Und Adressaten: solche, die das dann berichten.

taz

Lass' dir deine Meindung bilden!

Dass der das einfach so offen sagt. Ich gucke wie Klein Fritzchen. Also kann jeder kommen, der in Deutschland etwas bewirken will, und sagen: Mach, dass das morgen viele denken und tüchtig drüber schreiben? Dittko wirkt amüsiert über so viel Naivität. Er redet von journalistischem Handwerk. Und dass man die Botschaft geschickt an aktuelle Ereignisse kleben muss, um sie verkaufen zu können. „Florida-Rolf“, der Sozialschmarotzer in Bild, sagt er, „hat die öffentliche Wahrnehmung gedreht.“ Und verweist kühl darauf, „dass die rot-grüne Bundesregierung im Jahre 2003 eine Fast-180-Grad-Wende der eigenen Politik gemacht hat, mit der Agenda 2010“.

Profis wie Dittko reden von „Issue Management“, Eventisierung, Emotionalisierung. Ihnen geht es ums Verdichten, Drehen und Zuspitzen. Pieks, pieks, rein in die Volksseele. Man tut das nicht verschämt. Einer wie Dittko ist da ganz professionell bei der Sache. Er fragt sich jeden Morgen: „Was sind die Themen, mit denen ich die Botschaften des Kunden am besten in der Öffentlichkeit transportieren kann?“ Und geht an die Arbeit. Er sucht sich gute Absender – bekannte Leute, die das Anliegen gut vertreten. Und Adressaten: solche, die das dann berichten.

taz

Placeboverbrauchergesetz

„Umfassend“ sind nun aber allein die Gründe, warum es keine Informationen gibt: Der Kunde bekommt allenfalls Hinweise zu Lebensmitteln, Textilien und Kosmetika, die anderen Produkte sind von vornherein ausgeschlossen. Wünscht er eine Auskunft direkt vom Hersteller, hilft ihm das Gesetz auch nicht weiter. Die Industrie muss keine Fragen beantworten. „Die Firmen würden lahm gelegt, bekämen sie dauernd Faxe und Anrufe“, verteidigt Heinen. Also sollen Behörden Antworten geben.

Der Verbraucher muss jedoch erst einmal die richtige Behörde finden, einen schriftlichen Antrag stellen, dafür zahlen und bis zu drei Monate warten – um dann auch von den Beamten nicht viel zu erfahren. „Fast jede Anfrage kann abgewiesen werden“, meint Rechtsanwalt Strewe. Die Behörde muss schon dann nichts sagen, wenn sie das Betriebsgeheimnis bedroht sieht. „Wir können nicht verlangen, das Coca-Cola-Rezept auszuplaudern“, meint Heinen.

taz
Warum man das, was da aus dem Verbraucherschutzministerium kommt, noch als „Verbrauchergesetz“ bezeichnet, ist mir schleierhaft.

Aufklärung vs. Wertegemeinschaft

Appelle nutzen wenig, das Einklagen von Werten auch nicht, die ja meist sich in Gestalt von Verboten und Vorschriften auswirken. Wer nicht in die Fittiche von Religionen oder anderen Gemeinschaftswelten mit einem fest gefügten Verhaltenskodex zurück will, tut sich allerdings wohl meist ebenso schwer damit, die Spaßgesellschaft, den entfesselten Kapitalismus, die Individualisierung oder Entsolidarisierung zu rechtfertigen und zu feiern. Dass wir aber nicht in eine posthistorische oder auch postmoderne Situation nach dem Fest angekommen sind, belegen die vielen Kräfte, die mit Druck wieder in ein Gehäuse zurückwollen, während die politisch und wirtschaftlich Liberalen auf den freien Markt auch nicht sehr viel anders setzen wie auf die unsichtbare Hand Gottes, die alles automatisch richten wird, wenn man die nötigen Opfer bringt und dazwischen pfuscht – eine besondere Art der Magie, die sich rational gibt, aber die Rituale liebt und scheinbar modernistisch doch nur sagt: keine Experimente sowie Augen zu und durch.

telepolis
Führt „die Aufklärung“ für diejenigen, die sie sich nicht erkämpft haben, tatsächlich automatisch in die Sinn- und Geistlosigkeit?

Aufklärung vs. Wertegemeinschaft

Appelle nutzen wenig, das Einklagen von Werten auch nicht, die ja meist sich in Gestalt von Verboten und Vorschriften auswirken. Wer nicht in die Fittiche von Religionen oder anderen Gemeinschaftswelten mit einem fest gefügten Verhaltenskodex zurück will, tut sich allerdings wohl meist ebenso schwer damit, die Spaßgesellschaft, den entfesselten Kapitalismus, die Individualisierung oder Entsolidarisierung zu rechtfertigen und zu feiern. Dass wir aber nicht in eine posthistorische oder auch postmoderne Situation nach dem Fest angekommen sind, belegen die vielen Kräfte, die mit Druck wieder in ein Gehäuse zurückwollen, während die politisch und wirtschaftlich Liberalen auf den freien Markt auch nicht sehr viel anders setzen wie auf die unsichtbare Hand Gottes, die alles automatisch richten wird, wenn man die nötigen Opfer bringt und dazwischen pfuscht – eine besondere Art der Magie, die sich rational gibt, aber die Rituale liebt und scheinbar modernistisch doch nur sagt: keine Experimente sowie Augen zu und durch.

telepolis
Führt „die Aufklärung“ für diejenigen, die sie sich nicht erkämpft haben, tatsächlich automatisch in die Sinn- und Geistlosigkeit?

Big Brother in Europa

Die Terrorismus-Prävention lieferte in den letzten fünf Jahren die Begründung für immer mehr Überwachungsgesetze in Europa. Meister im Abhören ist Italien, doch selbst in den liberalen Niederlanden sind die Lauscher auf dem Vormarsch. Dabei hat der Lauschangriff nur selten Erfolg.

Spiegel Online
Anstatt mit dem Finger auf die Niederlande und Italien zu zeigen, hätte der Redakteur mal die deutschen Verhältnisse ansprechen sollen; schließlich wird auch in Deutschland die Überwachung immer weiter ausgedehnt. Noch hinzu kommt, dass mit der Verbindungsdatenvorratsspeicherung ein weiteres enormes Überwachungspotential in Europa geschaffen wird, das auch Deutschland ereilt. Die deutsche Journaille scheint sich darum (mit Ausnahme des heise Verlags) nicht wirklich zu kümmern, solcherlei Entschließungen sie gerade mal Randnotizen oder eine Fußnotennachricht wert. Einzig und allein der Verband der Journalisten kritisiert an der Verbindungsdatenvorratsspeicherung die Gefährdung des Informantenschutzes, aber folgert daraus nicht die generelle Ablehnung dieser, sondern einen Ausnahmeparagraphen für Journalisten (was rein technisch gar nicht machbar ist). So verhält sich nahezu ganz Deutschland wie die drei Affen, und in zehn Jahren, wenn der Staat die Möglichkeit hat, jeden Schritt eines jeden Bürgers (der rechtschaffenen; wirklich Kriminelle können diese Überwachung nämlich leicht umgehen) zu überwachen, will’s mal wieder keiner kommen sehen haben.